Donnerstag, 17. September 2015
Viele Mückenstiche
So, jetzt melde ich mich nochmal :)

Als erstes möchte ich mich dafür entschuldigen, falls mir irgendwelche E-Mails geschrieben wurden, das ich diese nicht beantworten konnte. Leider wurde mein Postfach gesperrt und es steht noch nicht fest ob dieses wieder entsperrt wird.

Ich bin jetzt ungefähr einen Monat hier und ein gewisser Alltag hat sich für mich eingestellt. Seit letztem Montag kann ich nun auch endlich regelmäßig zur Schule gehen, vorher hatte immer etwas mit meinen Unterlagen nicht gestimmt. Dadurch hänge ich mit meinem Spanisch ein bisschen zurück, was ich daran merke das die anderen Austauschschüler in Esmeraldas schon besser Spanisch sprechen als ich. Jetzt muss ich aber täglich 6 Stunden stark ran und werde das bestimmt schnell aufholen.

Ich werde oft gefragt wie das hier mit dem Essen aussieht. Als erstes, nein sie essen hier keine Insekten! :D Aber natürlich haben sie hier Essgewohnheiten die für mich absolut neu sind. Zum Beispiel ist der Gebrauch von Limetten hier wirklich stark und die Ecuadorianer sind extreme Salzliebhaber. Der Salat hier ist für mich nahezu ungenießbar, da dieser als erstes in Limettensaft getränkt ist, zur hälfte aus rohen Zwiebeln besteht und dazu noch derart mit Salz versetzt ist, das bei jedem Löffel ein Gesicht mache über das sich die Ecuadorianer halb totlachen.
Stark beeindruckt hat mich auch als mein Cousin sein Bier mit Salz getrunken hat. Jedoch nicht mit einem bisschen Salz sondern mit so viel das ich nach einem Schlückchen schon genug hatte. Diese Art sein Bier zu trinken ist hier üblich. Ein anderes Beispiel war als ich mir auf der Straße geschnittene Mango gekauft habe und feststellen musste das diese komplett mit Salz bestreut war, weiterhin habe ich festgestellt das man geschnittene Mango auf der Straße gar nicht erst ohne Salz kaufen kann.
Natürlich gibt es auch eine menge Dinge die mir sehr gut schmecken, Yuccabrot, Yucca, zu großen Scheiben gepresste Kokosfasern, Enpanadas, Guabafrüchte um nur einige Dinge zu nennen.
Nachdem ich jetzt einen Monat hier bin kann ich auch eine Liste von Lebensmitteln aufstellen die ich am meisten vermisse:

1. Grau/Schwarzbrot
2. Softdrinks die nicht zu gefühlten 90% aus Zucker bestehen
3. Türkenimbisse
4. Anständigen Käse
5. Deutsches Gemüse
6. Kaffee
7. Italienische Pizza (Keine Amerikanische)

Die Schule läuft wie folgt ab:
Um 7.00 geht es los mit der Vollversammlung auf dem Hof. Dort wird jeden Montag die Hymne von Ecuador und Esmeraldas gesungen, jeden Tag das Vaterunser gebetet und einige Ansagen getätigt. Danach geht es in die Klassen um bis 10:35 am Unterricht teil zu nehmen. In einer normalen deutschen Hauptschule geht es ja schon meist bunt her, jetzt stellt euch eine Südamerikanische vor... Dieser verläuft sehr chaotisch und durcheinander. Gute Beispiele dafür sind der Sport und der Musiklehrer, die kommen einfach nicht zum Unterricht und sitzen auf dem Hof oder bleiben gleich weg. Wir machen dann so zu sagen Freistunde in der es sehr chaotisch und laut ist und jeder macht was er will. Dann gibt es die strengen Lehrer in deren Unterricht man sich trotzdem leise Unterhalten kann. Bei den entspannten Lehrern kann man sich im Unterricht unterhalten, mit dem Handy hantieren und ab und zu schläft auch mal jemand, bei denen ist es extrem chaotisch. Es herrscht also ein starkes Durcheinander in der ganzen Schule. Von 11.00 bis 13.00 ist dann nochmal Unterricht, danach ist Schluss.

Am 26. September ist hier ein Nationalfeiertag an dem ein Event abgehalten wird. Auf dieses Event wird sich 3-4 mal die Woche für zwei Stunden in der Schule vorbereitet. Die Vorbereitung besteht daraus auf der Stelle zu marschieren, Fahnen zu schwingen, zu Salutieren und ab und zu etwas zu brüllen, was ich nie verstehe sondern einfach nachbrülle.
Ungefähr so:
"1,2,3,4!" *Salotieren*
"Raba" (Unbekannt) *Fahne nach oben*
"Unze" (Unbekannt) *Auf der Stelle marschieren"
- 4 Minuten später -
"Dnze" (Unbekannt) *Fahne nach unten*
"1,2,3,4" *Salotieren*
"Izquierda" *Nach links drehen*
Das 1-2 Stunden bei 30 Grad in der prallen Sonne auf dem Schulhof wünsche ich keinem, es ist wirklich eine extreme Qual.

Ich werde auch oft gefragt wie das hier mit der Kriminalität aussieht. Dazu kann ich sagen das es stimmt was man so hört, die Kriminalität ist hier wirklich sehr hoch.
Mein Handy kann ich auf der Straße gar nicht rausholen, da ich ein I-Phone habe und dieses sofort geklaut wird, auch am helllichten tag. "Auf einmal ist dein Handy aus deiner Hand und wenn du dich umsiehst, siehst du nur noch jemanden rennen".
Als ich mit ein paar Freunden unterwegs war, haben sie mich auch einmal schnell von einer Haltestelle weggenommen weil jemand meine Schuhe schief angeschaut hat. Auf Nachfrage haben sie mir dann erklärt das es auch schon mal vorkommt das einem gute Schuhe von den Füßen geklaut werden.
Auch zum Thema Taxis habe ich eine Einführung bekommen. Als erstes muss man sich die Nummernschilder anschauen, wenn es keine Orangefarbenen sind, sind es Inoffizielle Taxis und die sollte man meiden. Das Taxi sollte ein funktionierendes Taxameter haben, ansonsten wird man abgezockt und bezahlt viel zu viel. Und als letztes haben sie ausdrücklich gesagt das es immer besser ist zu zweit Taxi zu fahren.
Nachdem es dunkel ist sollte man auf keinen Fall alleine draußen sein, vor allem nicht als weißer.

Vorletztes Wochenende bin ich mit meiner Familie nach Guayaquil gefahren, eine wirklich schöne Stadt im Süd-Westen Ecuadors. Vorher haben wir auch direkt noch die Familie meines Gastvaters besucht.
Wir sind gegen 16.00 abgefahren und um 21.00 in der Kleinstadt der Familie angekommen. Sie leben in einer wirklich kleinen Wohnung mit Küche und Wohnzimmer in einem Raum und einem großen Zimmer oben in dem alle schlafen von dem es auch einem Zugang zu einem kleinen Bad gibt. Es gibt keine Fenster. In die Wohnung kommt man nur durch die Bäckerei, die wirklich beeindruckend ist. Zwei gigantische Lehmöfen stehen dort und es wird alles per Hand gemacht.
Abends bin ich mit meinem Gastvater noch ein bisschen durch die Straßen gegangen und er hat mich ein paar alten Freunde vorgestellt. So haben wir durch Zufall auch einen alten ehemaligen Deutschen getroffen. Da er kein Deutsch mehr konnte habe ich mich mit ihm eine weile auf Englisch unterhalten, er war sehr sympathisch und wir haben über meine Situation geredet. Auf einmal meinte er jedoch, "Ich weiß noch die Zeit als Hitler an der Macht war, das waren gute Zeiten wo Deutschland noch stark war." und er begann über Hitler und seine guten Taten zu sprechen. ich habe mich natürlich komplett versteift und ihm gesagt das ich Hitler absolut nicht mag, ungeachtet davon hat er immer weiter auf mich eingeredet und mich versucht von Hitler zu überzeugen. Mein Gastvater hat meine Körpersprache jedoch verstanden und Anstalten gemacht das war weiter wollten. Der Mann hat sich noch sehr nett verabschiedet und ist auch gegangen.
Dieses Erlebnis werde ich so schnell nicht vergessen, da ich diesen Mann eigentlich extrem sympathisch fand und ich niemals damit gerechnet hätte das er sich als Neonazi entpuppt.

Letztes Wochenende ist meine Familie über Nacht in eine Kleinstadt in den Anden gefahren, um dort in einem Krankenhaus etwas zu erledigen. ich wurde gefragt ob ich gerne mitkommen möchte und meinte ich würde sehr gerne mitkommen. Wir sind also gegen 2.00 Nachts aufgebrochen und am nächsten Morgen gegen 9.00 angekommen. Die Kleinstadt bestand zur hälfte aus kleinen Parkanlagen, Kirchen und Klöstern. Während meine Familie im Krankenhaus war habe ich mich ein wenig umgesehen und festgestellt das es für mich den Inbegriff für Friedlichkeit darstellte. Die Klöster, Kirchen, Parkanlagen, die Ruhe und die kühle, frische Bergluft spielten zu einer derart friedlichen Atmosphäre zusammen, das man sich sofort wohl gefühlt hat. Lange geblieben sind wir allerdings nicht, sondern haben uns gegen 13.00 wieder auf den Rückweg nach Esmeraldas gemacht.


Bitte entschuldigt wieder eventuelle Rechtschreibfehler aber ich habe hier einfach nicht so viel Zeit :)

Es würde mich freuen wenn ihr eure Fragen unter den Beitrag posten könntet, dann kann ich nächste mal auf diese speziell eingehen. Einen Account für die Seite zu erstellen ist sehr einfach.

Viele Grüße aus Ecuador,

Euer Eddi

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Donnerstag, 3. September 2015
Angekommen!
Ich bin jetzt seit anderthalb Wochen in Ecuador und habe mich auch schon recht gut eingelebt.
Jetzt habe ich auch die Zeit gefunden um meinen ersten Bericht über meine Zeit nach Deutschland zu schreiben :)


Angefangen hat alles nach der Übernachtung in Frankfurt um 8:30 am Frankfurter Flughafen:

Endlich ging die 24 Stunden Reise über Miami nach Quito los. wir trafen uns mit den ganzen Truppen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch einem aus Luxemburg. Anfangs waren wir nicht nur die Ecuadorianer sonder reisten zusammen mit den Peruanern nach Miami, von wo aus sich beide Gruppen auf ihre eigenen Weg machten.
Auf dem Weg nach Miami hatten wir auch noch einen von AFS (Die Organisation mit der ich das Auslandsjahr mache) Gesandten dabei der uns bei der Lage in Miami helfen sollte.
Über einen Amerikanischen Flughafen zu reisen ist nicht so einfach da die Sicherheitsmaßnahmen dort extremisiert sind.

So muss man in Miami erst durch eine Personifizierte Kontrolle wo ein Visum Kontrolliert wird, was man selbst zur Durchreise benötigt und einem eine menge ziemlich schwachsinnige Fragen gestellt werden. Nach dieser muss man erneut durch einen Passkontrolle um anschließend sein Gepäck abzuholen und neu einzuchecken. ist das Gepäck dann eingecheckt muss man wieder durch die Sicherheitskontrolle (In Amerika muss man dort sogar die Schuhe ausziehen). Hat man alle diese Punkte endlich geschafft kann man nach langer Lauf/Fahrzeit sein Gate erreichen.

Dieser Weg wäre schon beschwerlich genug, hätte man nicht nur zwei Stunden Zeit, wie uns der AFS'er dringlichst vermittelte. "Ansonsten müsst ihr eine Nacht in Miami verbringen und Morgen einen anderen Flug nehmen", was ihm nach schon einige Male passiert sei. Dementsprechend froh waren wir als wir es schafften pünktlich am Gate zu sein.
Dort trafen wir dann auch die Gruppen aus Island, der USA und Kanada mit denen wir dann weiter nach Quito flogen.

23 Uhr Ortszeit wurden wir dann am Flughafen per Bus abgeholt und zum "Arrivel Camp" gefahren. Dort angekommen haben wir uns nur noch einen Bungalow zuteilen lassen und sind ins Bett gefallen.

Am nächsten Tag war fast das ganze Camp durch Jetlags schon 2 oder 3 Stunden vor dem Frühstück auf den Beinen gewesen. Diese zeit wurde genutzt um sich gegenseitig kennen zu lernen und festzustellen wer in der selben Stadt unterkommen würde. Mein Ziel Esmeraldas ist anscheinend das beliebteste Ziel und ich wurde viel beneidet das ich dorthin fahren würde. Insgesamt betrugen wir an die 80 Schüler aus aller Welt, es waren Leute aus Island, Luxemburg, Vietnam, USA, Japan, Belgien, Italien, Frankreich, Schweiz, Österreich und noch vielen anderen da.

In diesem Camp geschah nichts wirklich nennenswertes, es wurden nur Informationen gegeben, die das Land und die Sitten erklärten. Die Stimmung hingegen war außerordentlich gut, da sich alle auf die Zeit und ihre Gastfamilien freuten.

Am Sonntag dann (nach 2 Nächten) ging es dann für alle in die Gastfamilien. Stündlich gingen also Vans, Busse und Taxis zu den Flughäfen nach Guayaquil, Latacunga, Salcedo, Guaranda, Quito, Machala und Esmeraldas. Unser Van nach Esmeraldas ging um 9. Die Ankunftszeit sollte 15 Uhr betragen, es wurde jedoch 18 Uhr, da unser Fahrer sich eine Stunde verspätete und die Fahrzeit länger als geplant war.

Als wir dann in Esmeraldas angekommen waren, wurden wir herzlich von unseren Gastfamilien begrüßt und nach dem Verabschieden von den anderen Austauschschülern ging es auch schon nach Hause. Dort wurde ich erst einmal allen vorgestellt.

ich hab eine Weile gebraucht bis ich die ganze Familiengeschichte hier verstanden habe. Wir wohnen in einem dreistöckigem Haus neben dem direkt noch ein anderes vom fast selbem Bau steht. In diesem und in dem gegenüber wohnt fast die ganze Familie von meiner Gastmutter. Ein wenig weiter weg wohnt dann auch noch die dritte Schwester von meiner Gastmutter, die mit ihrerer Familie fast jeden Tag hier ist. Es ist also ein ständiges ein und ausgehen, was mich ziemlich verwirrt.

Anfangs hat mich mein Gastvater ziemlich viel mit herum genommen. So waren wir Einkaufen, haben eine menge Leute abgeholt oder haben und einfach etwas angeschaut. Dadurch das er ein inaktiver Soldat hat er viel Zeit. Meine Mutter hingegen arbeitet gleichzeitig im Krankenhaus und als Lehrerin und ist deswegen viel unterwegs.

Die Menschen hier sind unglaublich nett und herzlich. Es wird eine menge Wirbel um mich gemacht und ich stehe immer im Mittelpunkt, was mir ehrlich gesagt manchmal zu viel ist. Auch auf der Straße falle ich immer auf.

Am 2.9 war ich auch schon in der Schule, seitdem aber leider nicht mehr, da dort etwas mit den Dokumenten nicht funktioniert hat und ich deswegen erst wieder am Montag gehen kann. Die Leute dort sind unglaublich nett und aufgedreht. Auch dort stehe ich wieder im Mittelpunkt und es gibt eine menge wirbel um mich. Man ist sofort eine kleine Berühmtheit, was sich sogar über die grenzen des Bekanntenkreises ausdehnt und ich so manchmal von Fremden gegrüßt oder angeschrieben werde. Meine Schuluniform hingegen ist der absolute Horror. Sie besteht aus einem weißen T-Shirt mit einem Jesus auf ihm, zusammen mit einer viel zu weiten Hose und grauenhaften Schuhen. Das T-Shirt muss dazu noch in die Hose gesteckt werden.

Ich denke ich habe für hier in einigen Punkten, eine eher untypische Familie, da viele Dinge auf die ich Vorfeld hingewiesen wurde hier absolut nicht zutreffen. So kann ich alles ansprechen was ich will und muss nicht so "indirekt reden" wie viele meinten. Meine Familie ist auch in keinster weise streng und ich kann, wenn ich auf irgendeine Party gehen möchte es einfach sagen und es wird mir erlaubt, ohne das ich es stück für stück ansprechen muss. Auch die Küche ist für jedermann immer zugänglich und nicht "Mutterreich". Es herrscht eine sehr angenehme lockere Atmosphäre.

Um noch einmal zur Natur zu kommen, diese ist hier wirklich wunderschön und grün. Die sehr bergige Landschaft zusammen mit dem beständigem Urwald ist wirklich toll. Die Temperaturen sind an der Küste sind wirklich hoch und zusammen mit der drückenden Luftfeuchtigkeit war es anfangs für mich sehr schwer. Im restlichen Ecuador ist es jedoch eher kühl, da Ecuador sehr bergig ist und so viele Städte, wie zum Beispiel Quito, sehr hoch liegen. Am meißten jedoch quälen mich die Moskitos, die hier viel kleiner und schneller sind. Ich bin mit meiner Haut ein gefundenes Fressen für sie...


Bitte entschuldigt eventuelle Rechtschreibfehler aber ich habe leider nicht die Zeit alles bis bis aufs Haar zu korrigieren :)

In den nächsten Tagen werde ich hier auch noch ein paar Fotos Hochladen.

Ich denke es sind viele Fragen offen, ich werde natürlich auf vieles in meinen nächsten Berichten noch eingehen, bin aber auch immer unter meine E-Mail Adresse eddi.haering@gmx.de zu erreichen.

Viele Grüße aus Ecuador,
Euer Eddi!

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